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Über Waldorfpuppen

Unsere Puppenmutter schreibt:

Vor 28 Jahren begann ich, meine ersten sogenannten Waldorfpuppen zu nähen.  Ich hatte sieben Kinder und jedes sollte eine eigene Waldorfpuppe erhalten.

Das Handwerk lernte ich von einer strengen Lehrmeisterin, die sich in vielen Bereichen sehr für die hiesige Waldorfschule engagierte.  Diese Meisterin lehrte mich, stets alle wichtigen Merkmale einer „echten“ Waldorfpuppe zu beachten:  Sie hatte aus gutem Trikot und mit Schafwolle fest gestopft zu sein und vor allem mussten die Proportionen von Kopf und Gliedmaßen zum Körper stimmen.

Darüber hinaus hielt mich meine Lehrmeisterin immer wieder dazu an, großen Wert auf den Gesichtsausdruck der Waldorfpuppe zu legen.  Die Stellung der Augen entscheidet nämlich darüber, ob die Puppe freundlich, grimmig oder traurig aussieht.  Sie dürfen weder zu weit auseinander noch zu eng zusammen stehen.  Auch der Mund muss sich im richtigen Verhältnis zu den Augen befinden und darf nicht verkniffen wirken.

Es hat lange gedauert, bis ich „meine Gesichter“ auf Anhieb richtig hinbekam.  Anfangs mussten so manches Auge und so mancher Mund mehrmals gestickt werden.  Ich sage „meine Gesichter“, weil jede Puppenmutter ihren Puppen einen ganz charakteristischen Ausdruck verleiht.

Auch die Haare der Waldorfpuppen haben aus Naturmaterial zu sein.  Meine Puppen bekommen Haare aus pflanzengefärbter und z.T. handgesponnener Schafwolle oder Mohair.  Die einzelnen Wollfäden werden bei Zöpfen ebenso wie bei einem Strubbelkopf einzeln eingeknüpft.  Eine langwierige Arbeit!

Die Kleidung der Waldorfpuppen sollte möglichst ausziehbar sein, damit sich das Kind mit der Puppe identifizieren und seine eigene Situation nachempfinden kann.

Die weiche Waldorfpuppe schmiegt sich dem Kinderkörper an, kann gedrückt und liebkost werden – sie ist stets warm und ein wahrer Handschmeichler.  Meine Kinder benutzten ihr großes Baby oft sogar als Kopfkissen.

Da ich mich der Waldorf-Pädagogik sehr verbunden fühle, tut es mir sehr Leid, dass ich meine Lieblinge aus marktwirtschaftlichen Überlegungen heraus nicht mehr „Waldorfpuppen“ nennen darf.  Meine Puppen heißen jetzt Häsi-Puppen.  Doch auch wenn ihr Name jetzt Häsi-Puppen lautet, werden sie nach wie vor nach den Waldorf-Kriterien gefertigt.

Jede Puppe ist eine mit Liebe und Sorgfalt in reiner Handarbeit hergestellte Einzelanfertigung.

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